Projektstand

Anpflanzungen

Im August 2018 fand die erste Pflanzung von Rohrkolbenröhricht statt. Für diese frühe Pflanzung wurde Pflanzenmaterial aus einem vorhergehenden Projekt verwendet. In den Folgejahren wurde am Bienener Altrhein autochthones Saatgut von Röhrichtpflanzen gesammelt. Dieses Saatgut wurde von einer spezialisierten Gärtnerei übernommen. Insgesamt werden daraus 12.550 Setzlinge produziert. Damit die jungen Pflanzen optimale Bedingungen am Bienener Altrhein vorfinden, wurden im April und im Mai 2019 und 2020 Einzäunungen mit Gittermatten und Wildzäunen hergestellt. Die mühsame Arbeit hat sich gelohnt: Im August 2019 und 2020 konnten zusammen rund 7000 Setzlinge per Hand in den Schlamm bzw. in bis zu 30 cm Wassertiefe gepflanzt werden. Gepflanzt wurden Schmalblättriger Rohrkolben, Breitblättriger Rohrkolben, Schlanksegge, Schilf und Wasserschwaden. Bis zu zehn Helfer waren dafür im Einsatz.

 

Kontrolle der Nutria

Um die Röhrichte außerhalb der Käfige vor Fraß zu schützen wurde ein speziell ausgebildeter Jäger eingestellt. Zunächst wurden verschiedene Fallenmeldesysteme getestet und die Fallen im Hinblick auf den Tierschutz optimiert. Mit den so optimierten Fallen wird seit Januar 2019 im Projektgebiet gefangen. Erste Erfolge zeigen sich bereits im südlichen Bereich des Bienener Althreins. Dort konnten Röhrichtpflanzen wieder austreiben und sich auch neu angesiedeln.
Die getöteten Tiere werden nachhaltig verwertet. Ein Teil dient als Tierfutter für einen benachbarten Wildpark, ein Teil der Tiere geht zur Verwertung der hochwertigen Winterfelle in eine an ökologischen Kriterien ausgerichtete Fellverarbeitung und ein Teil wird vor Ort für Aasfresser belassen.

 

Dynamisierung der Wasserstände

Im Dezember 2019 wurden die automatischen Pegellogger durch die Fa. Terratransfer am Bienener Altrhein, an der „Rosau“ und am Millinger Meer montiert. Die Montage der Pegellatten und die Höheneinmessung auf Normal Null (Höhe über dem Meeresspiegel), war zu dem Zeitpunkt leider noch durch die höheren Wasserstände verhindert. Dies wurde im Sommer 2020 nachgeholt. Die aktuellen Wasserstandsentwicklungen konnten aber bereits vorher abgerufen werden.

Die zeitnahen Daten helfen uns im Projekt die Wasserstände in den Gewässern in Bezug auf die Röhrichtentwicklung zu optimieren.

Erfolgskontrolle

Die Röhrichte und Schwimmblattgesellschaften wurden in 2018 dokumentiert. Zur Überprüfung der Röhrichtanpflanzung wurden zudem Untersuchungsflächen angelegt. Zusätzlich fanden 2018, 2019 und 2020 Befliegungen statt, die sehr genaue Orthophotos liefern. Diese Fotos aus der Luft helfen bei den Bestandserfassungen und geben einen guten Überblick zur Dokumentation und Veranschaulichung der Ergebnisse. Die Auswertung der Erfassung von 2020 zeigt, dass das Projekt auf dem richtigen Weg ist. Die Gesamtentwicklung der hochwüchsigen Röhrichtbestände verläuft bisher sehr positiv – insgesamt ist ein Zuwachs von rund 2,76 Hektar (= 27598 qm) zu verzeichnen, was einer Zunahme von 27 Prozent entspricht. Besonders erfreulich ist dabei, dass sich vier Röhrichtgesellschaften angesiedelt haben, die zu Projektbeginn nicht mehr vorhanden waren. Während das Röhricht des Schmalblättrigen Rohrkolbens sich aufgrund der Anpflanzungen wieder angesiedelt hat, haben sich die drei anderen Gesellschaften – das Strandsimsen-, Teichbinsen- und Schwanenblumen-Röhricht – auf natürlichem Weg etabliert. Ihr Flächenanteil ist jedoch noch gering. Die größten Zuwächse verzeichnen im Moment das Schilfröhricht, das Röhricht des Breitblättrigen Rohrkolbens sowie das Wasserschwadenröhricht. Auch diese Zunahmen sind überwiegend auf eine natürliche Ausbreitung zurückzuführen. Die Anpflanzungen dieser drei Arten umfassen jeweils nur ein paar hundert Quadratmeter.
Hinsichtlich der Schlammfluren sind ebenfalls Untersuchungen erfolgt mit positiven Ergebnissen. Allerdings war das Jahr 2018 aufgrund der Trockenheit ein außergewöhnlich gutes Jahr für Schlammfluren und ist deshalb nicht vergleichbar mit anderen Jahren. Es konnte aber gezeigt werden, wie wichtig die Schlammfluren als Keimflächen für Röhrichtarten sind.
Projektbegleitend erfolgt auch ein Nutria-Monitoring. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Rhein-Waal wurde bereits 2019 mit der Erstellung eines Monitoringkonzeptes und Durchführung einer ersten Untersuchung begonnen. Dadurch steht jetzt eine erprobte Methodik zur Verfügung. Die ersten Zahlen deuten darauf hin, dass das Fangen der Nutria sehr effektiv zu sein scheint. Mittlerweile ist das Kerngebiet nahezu frei von Nutria. Das zeigt sich auch in den Summen gefangener Nutria. Sie lagen im letzten Quartal 2020 unter zehn Tieren pro Monat. Regelmäßig werden nur noch aus der Umgebung einwandernde Tiere am Rand des Gebietes gefangen.

 

 

Orthofotos eines Röhrichtbestandes im Süden des Bienener Altrheins.